
Die Markthalle in Lohr am Main feierte am Wochenende ihren ersten Geburtstag. Kein Wunder, denn sie ist längst mehr als ein Ort zum Einkaufen – ein lebendiger Treffpunkt, an dem Regionalität, Innovation und Gemeinschaft aufeinandertreffen. Hinter diesem einzigartigen Konzept steht Angi Winkler, die mit viel Herzblut und einer klaren Vision die Markthalle 2.0 in Lohr am Main ins Leben gerufen hat. Wir waren vor Ort, um mit ihr über die Erfolge, aber auch Herausforderungen aus dem ersten Jahr zu sprechen.
Die Markthalle 2.0 feiert ihr erstes Jubiläum – herzlichen Glückwunsch! Wenn du zurückblickst, was waren die größten Herausforderungen und Erfolge im ersten Jahr?
Angi Winkler: Der größte Erfolg war der Gewinn des Stadtmarketingpreises, denn die Anmeldezahl in dem Jahr war in ganz Bayern wahnsinnig hoch. Wir sind sehr, sehr stolz, dass der Preis zu uns in die Kleinstadt, an dieses tolle Konzept gegangen ist. Unsere größte Herausforderung hatten wir heute vor genau einem Jahr: Wir hatten eine ganz kurze Umbauzeit von drei Monaten, die wir mit ehrenamtlichen Helfern und Mitteln bewältigt haben. Nur so konnten wir aus einer abrissreifen Halle ein kleines Schmuckstück machen.
Wie hat sich die Zusammenarbeit mit den regionalen Produzenten und Händlern entwickelt? Gab es Überraschungen – positive wie negative?
Angi Winkler: Zum Glück gab’s nur positive Überraschungen. Anfangs waren viele skeptisch – Popup, Showroom, Gastronomie, Kino – das war für viele schwer vorstellbar. Nach einem Jahr wissen alle, wie’s läuft und bringen uns Wertschätzung entgegen. Die regionalen Händlerinnen und Händler haben alle ihre Verträge verlängert, das spricht für unser Konzept. Die meisten wollten nur eine Woche oder einen Monat bleiben und sind jetzt im zweiten Jahr bei uns. Denn wir haben eine gute Frequenz, einen guten Abverkauf. Und die Leute suchen Regionales. Sie suchen etwas mit Heimatbezug, am besten auch Produkte mit einer kleinen Geschichte. Das ist ihnen ganz, ganz wichtig.
Als Vorsitzende der Werbegemeinschaft lohrmachtlaune setzt du dich auch für die Belebung der Innenstadt ein. Welche Rolle spielt die Markthalle dabei?
Angi Winkler: Die Markthalle hat einen immensen Einfluss. Wir haben 40 Meter durchlaufende Schaufenster, die vorher 5 Jahre abgeklebt waren. Dort hingen Veranstaltungsplakate, die Scheiben waren von Innen foliert – das sah einfach nicht schön aus. Der Downgradingeffekt hat sich auf die Geschäfte links und rechts ausgewirkt, denn hier wollte sich niemand ansiedeln. Es gab keine durchgehende Verbindung mehr in der Fußgängerzone – von oben nach unten war hier ein ganz großer Blindspot, den wir wiederbelebt haben, mit Frequenz und ohne Konsumzwang.
Wie sieht dein persönlicher Alltag als Geschäftsführerin der Markthalle aus? Was sind deine größten Aufgaben und was macht dir am meisten Freude?
Angi Winkler: Die Markthalle ist mein Hobby, mein Job ist eigentlich ein anderer. Deshalb hat mein Alltag 24 Stunden, auch am Wochenende. Aber ich kenn’s nicht anders und wollte das auch so. Mir macht das Spaß – Social Media, die Koordination der Mitarbeitenden, Veranstaltungen. Es gibt hier jeden Tag kreative, spannende To-Dos. Man lernt wahnsinnig viele Leute kennen, auch wenn wir uns in einer Kleinstadt befinden. Das macht das Ganze sehr wertschöpfend.
Zum Abschluss: Wenn du dir etwas für die Zukunft der Markthalle 2.0 wünschen dürftest – was wäre das?
Angi Winkler: Dass mein Team so bleibt, wie es ist – alleine wäre das nicht machbar. Mein größter Wunsch wäre, die Markthalle auch nach dem Ende der Förderung im Februar 2026 weiterzuführen. Nicht nur als Bereicherung für die Innenstadt, sondern auch als Best Practice Beispiel für andere Kleinstädte.